Ist das Gehirn wirklich irgendwann ausgewachsen? Das Wunder der Neuroplastizität

Ich bin mir sicher, du hast schon öfter den Satz gehört „Wenn man älter ist, dann ist das halt nicht mehr so einfach etwas zu ändern.“ und lange hielt sich der Glaube daran, dass ab einem gewissen Alter das Lernen halt einfach vorbei ist.

Was, wenn ich dir nun sage, dass es sich um einen Irrglauben handelt?

Lange glaubte man, dass das Gehirn irgendwann „fertig“ ausgereift sei und es keine Möglichkeit gäbe, irgendwas am bereits Erlerntem zu ändern. Seien es jene Fakten, die du bereits gelernt hast oder auch erlernte Verhaltensweisen, Muster, Glaubenssätze, Werteinstellungen und Gewohnheiten. Für manch einen mag sich das wie ein Sicherheitsnetz anfühlen, weil alles so bleiben kann, wie es ist. Für den anderen mag jetzt vielleicht die Erlösung, dass keinesfalls alles so bleiben muss, wie es ist. Denn die wunderbare Erkenntnis der Neuroplastizität hat gezeigt: Das Gehirn ist bis ins hohe Alter fähig neue Verbindungen zu erschaffen und zu vertiefen. Zugegeben: Das mag mit fortgeschrittenem Alter immer schwerer werden, doch hier kommt der entscheidende Punkt: Um wie viel flexibler wir bleiben, desto leichter fallen uns Veränderungen.

Und seien wir ehrlich: Veränderungen treten in unser Leben, ob wir wollen oder nicht. Der Unterschied ist doch, wie hilflos wir uns ihnen ausgeliefert fühlen. Um wie viel mehr wir unser Gehirn auf Trab halten, desto anpassungsfähiger bleibt es. Um wie viel weniger wir Gebrauch von unserer Denkleistung machen, desto schneller geht sie verloren, ganz nach dem Motto „Use it or lose it.“ (deutsch: Nutze es oder verliere es.). Aber was genau können wir denn aktiv tun, um uns die Neuroplastizität zu Nutze zu machen?

Beweg dich!

Auch, wenn ich wie ein wütender Fitnesscoach klinge: Beweg dich!

Immer noch unterschätzen viel zu viele Menschen die Auswirkungen körperlicher Aktivität auf unser Gehirn. Eines sollte uns dabei doch klar sein: Die wenigsten Prozesse unseres Körpers lassen sich isoliert betrachten. Auch in Bezug auf unsere Körperfunktion gilt „Use it or lose it“, denn wer den eigenen Körper nicht regelmäßig aktiv hält, verliert über Dauer seine Leistung und profitiert nicht von den Vorteilen körperlicher Aktivität auf das Gehirn und unsere Psyche. Die Gründe, wieso Bewegung sich positiv auf das Gehirn auswirkt sind vielfältig: Einerseits fördert es die Durchblutung, was wiederum zu einer besseren Sauerstoffzufuhr ins Gehirn führt. Gleichzeitig passiert jedoch auch was Spannendes: Jene Aktivität in den Hirnarealen, die für diverse Denkprozesse verantwortlich sind, werden teilweise zurückgestellt, während jene für Bewegung aktiviert werden. Bestimmte Areale, die sonst sehr aktiv sind, können sich also „erholen“ und eine Pause einlegen. Wie eine kleine Verschnaufspause für den Denkapparat!

Lern mal wieder was Neues !

Ein neues Hobby oder eine neue Fähigkeit: Was auch immer dich interessiert (oder vielleicht auch noch nicht interessiert) kannst du ausprobieren. Gerade Neues wird dein Gehirn auf eine ganz andere Art und Weise fordern und fördern, denn es muss neue Verbindungen bilden. Wenn es also eine Aktivität oder ein Hobby gibt, was du schon lange ausprobieren wolltest: tu es. Es wird dir helfen, dein Gehirn fit zu halten.

Komm mal raus – aus der Komfortzone!

Ja, ich weiß. Man hört es immer wieder, dass man aus seiner Komfortzone mal rauskommen soll. Liegt aber daran, dass es hilft: Wie auch beim Thema „Was Neues zu lernen“ wird dir das Rauskommen aus der Komfortzone helfen, neue Verbindungen (und damit auch neue Verhaltensweisen und Muster) zu schaffen. Ich rede hier davon, Dinge zu tun, bei denen sich dir normalerweise die Haare sträuben. Nur so kannst du neue Erfahrungen sammeln!

Triff dich mit neuen Leuten!

Die meisten von uns lernen nur neue Menschen kennen, wenn sie Single und auf Partnersuche sind oder indem sie über ihren Beruf und ihre Arbeit mit Menschen als Kunden, Lieferanten, Kollegen, Patienten usw. in Kontakt kommen. Dabei kommen doch eher selten wirklich interessante Kontakte Zustande, die nicht professioneller oder romantischer Natur sind. Und keine Frage, einen Partner zu finden, mit dem man sich auf tiefer Ebene über alles unterhalten kann, ist goldwert. Aber es ist halt eben oft nur eine Säule und das ist der Knackpunkt: Nicht selten befinden wir uns mit unserem Partner in ein und derselben Luftblase (oder wachsen in eine rein), was zwischenmenschlich betrachtet sehr sinnvoll und verbindend ist, aber deine eigene Denkweise einschränkt. Menschen sind unterschiedlich und sich für sie als Person zu interessieren, kann uns manchmal anders denken oder die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten lassen. Wenn du das nächste mal jemanden kennen lernst, versuch dich also für den Menschen zu interessieren, um die Perspektive und die Person dahinter kennen zu lernen. Nicht, um einfach zu antworten und dann sofort deine Meinung kund zu tun.

Es gibt inzwischen diverse Apps, die auf Freundschaftliche Kontakte oder einfache Bekanntschaften ohne romantischen Hintergrund ausgelegt sind. Probier es einfach mal aus oder melde dich in dem Verein an, wo du schon immer hin wolltest!

Und jetzt?

Anders als angenommen ist unser Gehirn durchaus in der Lage flexibel zu bleiben und ein lebenslanges Lernen zu ermöglichen. Die Fähigkeit sich an Gegebenheiten anzupassen und flexibel zu sein mag manchen leichter und anderen schwerer fallen, aber im Grunde ist sie erlernbar.

Wir müssen eben nur selbst dafür aktiv werden. Also denk immer daran: Use it or lose it !

Und nun für dich als nächsten Gedanken: Was wolltest du schon immer ausprobieren? Wenn du auf irgendein „Zeichen“ wartest, es nun probieren, lass es genau dieser Beitrag sein.

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