Bewegung als Medizin – was es wirklich mit dir macht

Es ist nun wirklich kein Geheimnis mehr, dass Bewegung einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit hat – sei es psychisch oder physisch. Und doch habe ich immer wieder den Eindruck, wird die Wirkung – nein, sogar die Notwendigkeit – von Bewegung deutlich unterschätzt.
Zehn Stunden am Tag vor dem Rechner zu sitzen ist für uns bereits das normalste der Welt geworden, aber drei Stunden einen ausgiebigen Spaziergang zu machen, scheint für viele bereits jenseits jeglicher Vorstellungen zu liegen. Im selben Zuge wundert man sich, warum einem der Rücken schmerzt, der Nacken spannt und die Stimmung ständig bedrückt ist.
Kleiner Spoiler: Der Körper ist da, UM sich zu bewegen! Leider ist der Lifestyle vieler Menschen darauf ausgelegt, völlig gegen den eigenen Körper zu arbeiten. Und wen wundert das auch: Unsere Umgebung ist quasi dafür geschaffen, unseren Körper zu vernachlässigen. Ständiges Sitzen im Auto, mindestens acht Stunden vor dem Computer hocken und E-Mails beantworten, nach der Arbeit wollen wir abschalten und schmeißen den Fernseher an, während wir gleichzeitig verschlungen von den sozialen Medien im Doomscrolling (das zwanghafte, exzessive Scrollen durch negative Nachrichten in sozialen Medien oder News-Feeds ) versinken.

Dabei schreit unser Körper, nach etwas, was er dringend braucht: Bewegung !
Ich brauche hier vermutlich nicht die körperlichen Vorteile von ausreichend körperlicher Bewegung genauer erklären, man schnappt sie in der Regel hin und wieder auf: ein verbesserter Herz-Kreislauf, Senkung der Risikos auf Krebs- und Herzerkrankungen, bessere Durchblutung und so weiter.

Aber sind dir auch die Vorteile auf deine Psyche und dein Gehirn bewusst?

Es lebe die Neuroplastizität

In einem anderen Beitrag bin ich auf die Neuroplastizität (Ist das Gehirn wirklich irgendwann ausgewachsen? Das Wunder der Neuroplastizität) eingegangen und es werden noch viele weitere Beiträge dazu folgen, weil sie ein wahrer Gamechanger ist und uns einfach enorm viele Möglichkeiten bietet. Und eine davon, kann ich dir an dieser Stelle nicht vorenthalten, denn Bewegung steigert die Neuroplastizität im Gehirn und diese Fähigkeiten hat erhebliche (positive) Auswirkungen auf depressive Symptome.
Studien konnten bereits zeigen, dass Bewegung sehr hilfreich ist, wenn es um das Bekämpfen von Depressionen geht.

Mal wieder der Stress

Ja, selbstverständlich muss der Punkt hier rein. Weil er meiner Meinung nach immernoch viel zu wenig beachtet wird. Wir finden es einfacher uns immer wieder über den Stress in unserem Leben zu beschweren, statt etwas an ihm zu ändern. Oder wir nutzen ihn gerne als Ausrede: „Ja, ist gerade einfach alles etwas stressig.“. Und wir denken, wenn wir jetzt noch Sport machen, würde das mehr Stress verursachen, aber die Wahrheit ist: Wir fühlen uns gestresst, weil wir uns nicht richtig erholen (das Thema ist jedoch einen ganz eigenen Blogbeitrag wert). Soziale Medien, Fernsehen und das Bier nach Feierabend werden uns auf Dauer leider nur noch mehr stressen. Auch wenn wir uns zum bewegen erst einmal aufraffen müssen, hat sich eindeutig gezeigt, dass Menschen, die regelmäßig Sport treiben, einen gesünderen Cortisolrhythmus haben. Cortisol ist, kurz gesagt, unser Stresshormon. Evolutionär betrachtet, hat dieses uns gerettet,als es noch darum ging vor einem Säbelzahntiger zu fliehen. Doch heute ist unser größter Stressfaktor vermutlich unser Chef bei der Arbeit und die meisten von uns verbringen ihre Zeit damit, nahezu durchgehend einen erhöhten Cortisolspiegel zu haben. Ganz schön anstrengend oder? Und die schlechte Nachricht ist leider: Die soziale Medien befeuern diesen Effekt. Heißt das, du musst nun komplett auf dein Telefon verzichten? Nein, das ist wohl auch kaum noch möglich. Doch du hast die Wahl, ob du nach der Arbeit für 30 Minuten in die Sportklamotten hüpfst und danach 20 Minuten auf Tik Tok scrollst – oder ob du wieder drei Stunden deines wertvollen Lebens nur auf sozialen Medien verbringst und anderen Menschen dabei zusiehst, wie sie etwas aus ihrem Leben machen – nur um dich im Nachgang mies damit zu fühlen, dass du es nicht getan hast.

Du wirst der nächste Einstein – gut, das war gelogen:

Wenn dir Neurogenese noch nichts sagt, lass mich dich aufklären: die Neurogenese beschreibt den Prozess, bei dem neue Nervenzellen gebildet werden. Aber ist es nicht so, dass im Laufe des Lebens Nervenzellen im Gehirn nur noch absterben, statt sich zu erneuern? Ja, dachte man zumindest eine sehr lange Zeit. Doch nun weiß man: es werden durchaus neue Nervenzellen gebildet, auch im fortgeschrittenen Alter. Besonders im Hippocampus (dieser Bereich ist für unser Gedächtnis und das Lernen zuständig) findet noch die Neurogenese statt. Der Haken: Stress (da ist er wieder) und natürlich auch das zunehmende Alter können diesen Prozess verringern. Nun, du kannst nicht verhindern älter zu werden, doch du kannst den Stress verringern und durch regelmäßige Bewegung den Effekt unterstützen. Du hältst also nicht nur deinen Körper jung, sondern auch deinen Geist. Jetzt stellen wir uns mal vor, was das für positive Effekte auf altersbedingte Erkrankungen, wie Alzheimer, haben könnte!

Was darf’s sein?

Du solltest in jedem Fall etwas finden, was dir Spaß macht. Es bringt tatsächlich nichts, wenn du bei dem Gedanken ans Schwimmbad Magenkrämpfe bekommst und dich jeden zweiten Tag zum schwimmen zwingst. Lerne, dieses Gefühl von „Diese Art von Bewegung gefällt mir nicht.“ zu unterscheiden von „Ich mag einfach keinen Sport.“.
Probier dich aus, finde etwas was dir Spaß macht oder variiere unterschiedliche Bewegungsarten, wenn dir eine Sportart zu eintönig ist.
Denk dran, dass es nicht immer der Gang ins Fitnessstudio oder die Laufrunde sein muss.
Tanzen, Yoga, Tennis – die Welt ist voller Bewegungsmöglichkeiten. Ich variiere zum Beispiel Salsa, Pilates, Yoga, Krafttraining und einen ausgiebigen Spaziergang (ja, auch das ist Bewegung). So kann ich meinen Körper immer wieder auf eine andere Art und Weise spüren. Finde wieder den Spaß in dir und tu deinem Körper und deiner Psyche was Gutes. Denn das ist es, wofür dein Körper gemacht ist!

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